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Dirk Dietrich Hennig

Jamais-vu
Jean Guillaume Ferrée

 
10.08.– 22.11.2016


Mit „Jamais-vu“ präsentiert Dirk Dietrich Hennig das nahezu vollständige Werk des zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Jean Guillaume Ferrée (1926 -1974).
Ferrés Schaffen bewegt sich im Umfeld von Fluxus und Nouveau Réalisme und umfasst Installationen, Skulpturen, Collagen sowie fotografische Arbeiten. Die Ausstellung im ikob – Museum für
Zeitgenössische Kunst ist mit insgesamt 65 Werken seine bisher größte museale Einzelausstellung.
Biografie, Werk und Persönlichkeit Ferrées sind geprägt durch immer wieder auftretende Gedächtnisausfälle, weswegen sich der Künstler mehrfach in psychiatrischer Behandlung befand.
Im Jahr 1974 stirbt der durchaus erfolgreiche Künstler unter bisher ungeklärten Umständen – so weit die Geschichte, die Dirk Dietrich Hennig erzählt. Die Kunstfigur Ferrée ist jedoch gänzlich
erfunden – sowohl sein Werk als auch seine Biografie hat Dirk Dietrich Hennig bis ins kleinste Detail erdacht und erschaffen.
Es erweckt den Anschein, als habe der fiktive Künstler Ferrée seine Gedächtnislücken mit seinen Werken füllen wollen, derart detailreich und bildhaft schöpfen diese aus dem Fundus möglicher
Erzählungen. So sind die Werke, die Hennig seit 2004 im Namen Ferrées schafft, mehr als eine simple Täuschung. Sie leben von einer subtilen Strategie der Durchmischung von historischen
Fakten und möglichen Narrativen. Damit stellt Hennig auf raffinierte Weise jede Form kunstgeschichtlicher Gewissheit in Frage.

ikob
Museum für Zeitgenössische Kunst
Rotenberg 12 B, 4700 Eupen, Belgien
Tel. / fax +32 (0)87 56 01 10
ikob.be

Ausstellungsbesprechung: „Jamais vu - Jean Guillaume Ferrée“ im IKOB Museum für zeitgenössische Kunst Eupen
Im Eupener IKOB Museum für zeitgenössische Kunst hat der Herforder Künstler Dirk Dietrich Hennig mit hohem Aufwand eine Retrospektive des imaginären Künstlers Jean Guillaume Ferrée erstellt.

von Dirk Tölke, Klenkes Stadtmagzin Aachen, 11.10.2016


Foto: Dirk Tölke, 2016

Nachahmung ist der Einstieg in ein Weltverständnis. Sie diente auch Künstlern jahrhundertelang als Basis, die Grundlagen der Kunst von „den“ Alten, nein, eher von ausgesuchten Vorbildern verschiedener Richtungen, zu erlernen. Das schuf nicht nur technische Erfahrungen und Körperbewußtsein, sondern auch Traditionen: Beharrlichkeiten überlieferter Bildwelten, Stile und Schulen. Zwischen purer Duplizierung oder Abbildlichkeit und eigenschöpferischer oder kombinatorischer Phantasie liegt die „Einfühlung“, die aus ausgedünnten historischen Überlieferungen ein lebendiges Bild der Vergangenheit zu interpretierten sucht oder wie beim Fälscher Beltracchi zur suggestiv plausiblen Erfindung führt.
Nach einer Entlarvung wird Manipulation, Fake und Betrug offenbar, beziehungsweise der Betrachter um Aspekte bereichert, die die Differenz zum Original ausmachen. Da entfaltet sich ein Spektrum an Ähnlichkeitsdifferenz, das man als Kopie, Schule, Werkstatt, Nachfolge oder Umfeld bezeichnet. Ein paar Künstler der Appropriation-Art haben es sich in den 80ern zum Konzept gemacht, durch blanke Kopie älterer Kunst noch einmal die Bedeutung von Originalität, von Copyright oder von Weltbildkultur zu thematisieren. Heute, im scheinbar allgegenwärtigen Beschönigen, Faken, Imagebilden und einem Bildrechtsverwertungsmarkt suchen mehr Juristen und Ökonomen als Künstler nach Marktwertsicherung durch Einzigartigkeit, andere sehnen sich nach Authentizität und Glaubhaftigkeit. Wie sicher ist unser Wissen? Wieviel Illusion trieb uns schon immer voran? Welche Erkenntnisse liefert das große Interpretationsspiel?
Was ändert es, wenn man nicht die Werke eines wirklichen Künstlers, sondern eines erdachten vor sich hat. Hat man daran zweifeldurchzogeneres Vergnügen, als an einer beliebigen Fantasy- oder Science-Fiction-Welt-Phantasie, die auch bloß erdacht ist und doch Rückbezüge auf unsere Gegenwartsgesellschaft ermöglicht? Neben der Illusionsstaune fasziniert dann Herr-der-Ringe-mäßig die Detailliebe, die Komplexität der Wechselbezüge. Dann wird es Kunst und hat ein Eigenleben mit ähnlichem Verweischarakter auf Aspekte des vergangenen und gegenwärtigen Daseins.

Ein Werk als Gedächtnisstütze

Dass die von Dirk Dietrich Hennig (*1967) seit 2004 erfundene Biographie, Werkdokumentation, Rezeption und Kunstproduktion von Jean Guillaume Ferrée (1926-74), die im ikob inszeniert sind, so glaubhaft den Charakter der Kunstwelt der 60er und 70er Jahre präsentieren ohne vordergründig auf Alt gemacht zu erscheinen, liegt an der Komplexität und durchdachten inneren Bezüglichkeit, die Hennig für diese 65 Arbeiten und Installationen geschaffen hat.
Dieses umfangreiche Zeitbild mit seiner notwendigen Topos-Finte, einen früh verstorbenen, missverstandenen Außenseiter mit Gedächtnisausfällen und Psychatrieaufenthalten entdeckt zu haben, wird nicht nur mit zusammengesuchtem und originalgealtertem Material der Zeit, sondern vor allem mit einem Gefühl für die ­seinerzeit übliche Stilistik von Collagen, gesellschaftskritischen Untertönen und biographischen Verschlüsselungen ausgeführt, die es schwer macht, darin Abweichungen und den Geist unserer Zeit zu finden, ähnlich einer historischen Filmkulisse.
Das Ganze ist natürlich eine Auseinandersetzung mit der Geschichte, mit des Künstlers eigener Jugendzeit, mit den zeitbedingten Hoffnungen und Beengungen, mit dem damaligen Kunstgebaren (aus heutiger Sicht) und erzeugt mit seinem schelmisch-behaglichen Begleitton eine eigentümliche Distanz von tiefem Ernst. Die Atmosphäre dieses privaten kryptischen Kunstkosmos wird ohne Veralberung und ohne einen Künstler beleidigen zu können, durchgehalten. Man findet einen Komplex grandios ausgearbeiteter Resonanzmittel für das Nachdenken über Kunst und Erwartungen daran, die die Auseinandersetzung, ja Nachforschung lohnt.

Die Ausstellung ist noch bis 20. November im IKOB Museum für zeitgenössische Kunst in Eupen zu sehen

 

 

DER FALL RUDOLF
Wie die Moderne im Auftrag der KoKo gefälscht wurde

Eine Präsentation von D i r k   D i e t r i c h  H e n n i g


Eröffnung am Samstag, den 25. Juni um 19.30 Uhr

Abb.: Carl Gerhardt Rudolf (1922-2012)/ Kurt Schwitters, Merz 1926, Cicero 1926 (Ausschnitt)


Der Bereich Kommerzielle Koordinierung (KoKo) unter der Leitung von Alexander Schalk-Golodkowski war der Devisenbeschaffer Nr. 1
in der ehemaligen DDR. Waffengeschäfte, Häftlingsfreikauf sowie die Enteignung von Kunstsammlern und Kunst & Antiquitäten-
Händlern zum systematischen Ausverkauf der Kunstgüter der DDR, erwirtschafteten Milionenbeträge für die sozialistische Planwirtschaft.
Neben diesen bekannten Devisenprogrammen gab es einen Unterbereich des Bereichs Kunst & Antiquitäten (K&A) mit dem Namen
Moderne Kunst
(MoK), für den i
n den Jahren von 1967 bis 1989 verschiedene Künstler unter Zwang Werke der Moderne für den inter-
nationalen Kunstmarkt produzierten. Der Fall Carl Gerhardt Rudolf (1922-2012) ist einer dieser bislang verborgenen Schicksale.

Einführende Worte spricht der freie Autor und Publizist Dr. Dietmar Ebert (Jena).

 
 
Der Fall Rudolf - 25. Juni bis 20. August 2016

VILLA ROSENTHAL I Mälzerstraße 11 I 07745 Jena
Öffnungszeiten: mo - fr 13 - 17 Uhr und nach Vereinbarung
Tel: 03641 49-8270 I Fax: 03641 49-8275
www.villa-rosenthal-jena.de

  

 

«Open Studio»
Dans le cadre de la 87e Herbstausstellung au Kunstverein Hannover
17.10.2015 / 15 h—18 h

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«Open Studio» présente des lieux de travail, des lieux de perception, des lieux nomades, des lieux non définis voire sans importance. La pluralité des usages de l’atelier prend le pas sur son caractère symbolique de creuset de la création. Il est tentant d’appauvrir la définition de ce lieu au point de dire qu’il est aujourd’hui sans mur, pour reprendre le titre de l’ouvrage de Jean-Marc Poinsot, paru en 1991. Cela serait un espace parmi d’autres, bien que parfois empreint d’une relation affective. Non-lieu de l’œuvre, non-lieu de l’atelier. Ce nihilisme ne peut nous faire oublier l’occupation effective des artistes d’un espace donné. Par la seule idée de rendre visible l’œuvre dans ce degré zéro de l’espace, il est possible aussi d’observer l’œuvre, l’ante-œuvre ou encore l’amorce de l’œuvre dans cet espace non pas neutre, comme pourrait l’être le musée ou la galerie, ni sans limite comme le serait l’extérieur mais en deçà de ces tentatives de définition.

Mathilde de Croix
Commissaire invitée

Atelier partagé
L’atelier de Dirk Dietrich Hennig est habité par la dizaine d’alter ego, pour reprendre ses termes, dont il a imaginé set conçu l’histoire, la profession, parfois l’œuvre. Chacun d’eux représente une série de l’artiste. Le plus souvent, le personnage est un artiste et les documents d’archives comme sa production sont placés sur un même plan par le grand ordonnateur de cette création. La fiction fait œuvre. À l’occasion de « Open Studio », Dirk Dietrich Hennig présente pour la première fois conjointement ses personnages dans un accrochage.

Dans le cadre du programme Jeunes Commissaires du Bureau des arts plastiques et de l’architecture de l’Institut français.

 

© dirkdietrichhennig.com 2016